“Embrace” – Ein Film, der mich zum Nachdenken gebracht hat

Taryn Brumfitt hat eine Message, die sie in einem Wort zusammenfasst: Embrace. Ihr gleichnamiger Film war gestern in den deutschen Kinos zu sehen. Auch wenn ich anfangs Zweifel hatte bin ich doch froh, den von Nora Tschirner mitproduzierten Film gesehen zu haben und möchte meine Gedanken dazu mit euch teilen. Denn ich glaube, dass es wahrscheinlich vielen jungen Frauen und Mädchen ähnlich geht wie mir. Wir sollten zusammenhalten und die positive Message in die Welt tragen.

Will ich mich eigentlich lieben, wie ich bin? Kann ich das? Kann mir egal sein, was Andere denken? Kann ich meinen Körper nicht einfach nur akzeptieren, sondern mich in ihm wohlfühlen und mich so mit den Dingen beschäftigen, die wirklich wichtig sind?

Zuerst dachte ich: Du bist ja eine aufgeklärte junge Frau, 25 und erwachsen genug zu verstehen, dass du dich nicht von fremden Bildern, den Medien und gesellschaftlichen Zwängen leiten lassen und dich stattdessen so lieben sollst, wie du bist.

Dann fühlte ich mich plötzlich wie ein Teenager, der den Körper einer Frau, die drei Kindern das Leben geschenkt hat, gar nicht sehen wollte. Und auch nie so aussehen wollte.

Doch dann begann ich, wirklich zu verstehen…

Taryn Brumfitt erzählt in ihrem Film, wie sie sich nach der Geburt ihrer drei Kinder in ihrem Körper immer unwohler fühlte. Irgendwann begann sie, sich auf einen Bodybuilding-Wettbewerb vorzubereiten und stellte ihre Ernährung, ihr Training und ihr Leben radikal um. Auf dem offenbaren Höhepunkt ihres Erfolges, auf der Bühne des Bodybuilding-Wettbewerbs wurde ihr klar, dass dieser Schritt einer zu viel war. Sie wollte von nun an kämpfen. Aber nicht für das Idealbild eines Körpers sondern für die Individualität, die jede von uns in sich trägt und die wir alle achten und lieben sollten.

Neben meinem Studium habe ich eine Zeit lang als Hostess auf Veranstaltungen gearbeitet. Trotz Normalgewicht war ich dort fast immer eine der “Dicken”. Häufig mussten wir alle dieselben Kleider von der Stange tragen, Einheitslook war angesagt. Wenn vorher nach der Konfektionsgröße gefragt wurde, habe ich immer schon gesagt, dass ich eine 40 brauche. Eigentlich eine ganz gewöhnliche Durchschnittsgröße. Doch es ist mir bei einer Veranstaltung passiert, dass die Agentur nur ein Kleid in Größe 36 für mich hatte. “Das wird schon passen”, haben sie mir gesagt. “Das muss passen”, wollten sie wohl sagen. Es passte nicht. Zum Glück hatte ich ein eigenes Kleid dabei, was ich an diesem Tag tragen konnte. Im Nachhinein hätte ich wahrscheinlich einfach gehen sollen und mir diesen Zwang, in dasselbe Kleid wie alle anderen passen zu müssen, nicht antun sollen. Heute arbeite ich als studentische Hilfskraft an der Uni. Dort interessiert sich niemand für meine Kleidergröße, sondern nur für meine Arbeit.

Der gestrige Kinobesuch hat meine Gedanken auf den Kopf gestellt. Mehrfach. Noch während ich schreibe, denke ich darüber nach und ich bin sicher, dass mich die Inhalte noch eine ganze Weile beschäftigen werden. Langsam, ganz vorsichtig ändert sich meine Einstellung zu mir selbst.

Die Frauen, die in “Embrace” zu Wort kommen, haben Recht. Es sollte nicht darum gehen, wie wir aussehen. Wir sollten uns nicht mit Models vergleichen, die hinter den Kulissen Wattebäusche essen, um ihrem permanenten Hungergefühl auszuweichen und die sich trotz ihrer wahnsinnig dünnen Körper noch schlecht fühlen. Wir sollten uns nicht dafür schämen, Kindern Leben zu schenken und sie zu wunderbaren Menschen zu machen. Zu den wunderbaren Menschen, die wir alle auch sind.

In der Instagram- und Blog-Welt sehe ich so häufig andere Frauen, die perfekt zu sein scheinen. Man muss auch eigentlich nur den Fernseher einschalten oder auf die Straße gehen, und sich die Werbeplakate anzuschauen. Zur Zeit hängt alles voll mit Bikini-Models in perfekten Körpern. Auch ich denke mir oft “So würde ich gerne aussehen”. Aber was hätte ich davon? Bin ich nicht schon ein toller Mensch, so wie ich bin? Sind wir das nicht alle? Ja, sind wir. Manchmal fällt es mir schwer, diese Einstellung wirklich zu leben. Ich glaube das ist ein Prozess, der lange braucht.

Für mich war und ist “Embrace” auf jeden Fall ein toller Anstoß, mir Gedanken über Schönheitsideale zu machen und darüber, was im Leben wirklich wichtig ist. Es sind nicht die dem Anschein nach perfekten Maße, es ist das, was von Innen kommt. Was uns auszeichnet und uns zu dem macht, was wir sind, ist unsere Einstellung. Unsere Einstellung zum Leben und einem positiven Körperbewusstsein.

Eure Paula

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