Komplimente, Komplimente!

Neulich habe ich mich mit einer Freundin darüber unterhalten wie es ist, Komplimente zu bekommen. In erster Linie ist das ein schönes Gefühl. Es gibt uns Bestätigung und zeigt uns, dass das, was wir tun, wie wir aussehen, was wir sagen, bei den Menschen in unserer Nähe gut ankommt. Ob wir diese Bestätigung von außen brauchen oder nicht, ist eine ziemlich individuelle Sache. Die einen sind so sehr mit sich im Reinen, dass sie eigentlich überhaupt keine Bestätigung Anderer brauchen. Andere wiederum machen ihr Glück davon abhängig. Egal zu welchem Typ ihr euch zählt, über ein ernst gemeintes Kompliment ab und an würden würden wir uns doch alle freuen, oder?

Doch irgendwie ist die Sache mit den Komplimenten auch paradox. Und das in vielerlei Hinsicht. Denn nicht jedes Kompliment ist ein schönes Kompliment, über das wir uns auch freuen. Wenn mir ein Mann auf der Straße plump einen dummen Spruch hinterherruft, würde ich oft lieber im Boden versinken, als mich auch nur ein kleines Stück zu ihm umzudrehen. Ob ich mich dann darüber freue, dass ich dem Mann aufgefallen bin? Nein. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass ich jede andere Frau hätte sein können, ein weibliches Objekt. Doch das möchte ich nicht sein. Auf keinen Fall. In diesen Situationen würde ich mich über einen flotten Spruch auf meinen Lippen freuen – der mir natürlich immer erst hinterher einfällt, wenn der Kerl über alle Berge ist. Geht’s euch auch manchmal so? Andererseits habe ich aber auch gar keine Lust, mich mit so etwas auseinander zu setzen und vergesse die unangenehme Begegnung lieber schnell wieder.

Komplimente, die von Herzen kommen, bekommen wir selten. Komplimente, die ernst gemeint sind und ohne Hintergedanken. Oft kommen sie von der besten Freundin oder unseren Lieben. Sie kennen uns, sagen uns, was sie denken und wenn sie uns ein Kompliment machen, ist das ein schönes Gefühl. Ich persönlich finde es schön zu wissen, wenn meine Lieben die Dinge, die ich tue, gutheißen. Und genauso schön finde ich es zu wissen, dass sie mir jederzeit sagen würden, wenn sie mal was nicht so gut finden. Und das betrifft eben auch Äußerlichkeiten. Ein nettes Kompliment zu meinem ansteckenden Lachen – was für ein schönes Gefühl.

Während unseres Gesprächs hat mir meine Freundin erzählt, wie schade sie es findet, dass Komplimente zwischen den Geschlechtern so häufig falsch verstanden werden. Kann eine Frau einem Mann sagen, dass er schöne Augen hat, ohne dass gleich die Gerüchteküche anfängt zu brodeln? Kann ein Mann einer Frau sagen, dass sie eine schöne Figur hat, ein Kompliment auf ihr Aussehen bezogen machen, ohne dass er verächtliche Blicke erntet? Eigentlich sollte das möglich sein. Häufig ist es das nicht. Und das finde ich total schade.

Sicherlich kommt es auch auf den Kontext an und auf plumpe Sprüche haben wir wohl alle keine Lust. Aber wie sieht es aus mit einem netten, höflichen und von Herzen kommenden Kompliment? Einfach mal zwischendurch der Kollegin sagen, dass sie heute toll aussieht oder dem Kollegen signalisieren, dass man den schicken neuen Haarschnitt, der ihm richtig gut steht, bemerkt hat? Gerade Komplimente, die auf das Aussehen bezogen sind, werden schnell missinterpretiert. Doch da ist nicht nur die Sache mit den Geschlechtern. Da ist auch noch diese andere Sache.

Kennt ihr es, wenn euch jemand ein Kompliment macht, ihr euch höflich bedankt, aber innerlich denkt “Ja klar, als würdest du meine Figur wirklich toll finden!”? Das ist schon wieder eigentlich total paradox. So häufig können wir die lieben Komplimente nicht annehmen. Einerseits sehnen wir uns nach der Bestätigung von außen, andererseits wollen wir sie wenn sie kommt nicht wahrhaben. Woran liegt das?

Ich glaube es liegt daran, dass wir uns selbst viel zu wenig lieben. Auch viele BloggerInnen befassen sich mit dem Thema Selbstliebe und setzen sich dafür ein, dass wir uns alle ein Stückchen mehr selbst nicht nur akzeptieren, sondern auch gut finden und lieben. Denn das ist wichtig, sehr wichtig.

Es ist nicht die Bestätigung von außen, die uns glücklich macht. Es ist die innere Zufriedenheit mit uns selbst, die es uns überhaupt erst ermöglicht, uns über Komplimente zu freuen. Wenn ihr also demnächst mal wieder ein nettes Kompliment verteilt, über das sich ein besonderer Mensch bestimmt sehr freuen wird, überlegt euch doch auch mal eine Sache, die euch an euch selbst gefällt. Und nein, das hat nichts damit zutun, eingebildet zu sein, sondern ist ein Schritt auf dem Weg, mit sich selbst und der Welt um sich herum ein Stück weit zufriedener zu sein.

Also: Spread some love – to you and others!

Eure Paula

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.